Wer in den Himmel will, muss durch die Hölle

Stefan Büschges erfuhr beim Swiss Iron Trail die Nähe zwischen Himmel und Hölle
Stefan Büschges erfuhr beim Swiss Iron Trail die Nähe zwischen Himmel und Hölle

Von Stefan Büschges:

 

Das musste auch Stefan Büschges erfahren, der am 14.8.2014 den Swiss Irontrail in Davos in Angriff nahm. Die Königsstrecke hatte eine Distanz von 202km bei 11500 Höhenmetern und musste in einer Zeit von 66 Stunden absolviert werden. Start für die 144 Teilnehmer (127 Männer und 17 Frauen) war am Donnerstag um 12:00 Uhr.

Hoch motiviert und voll guter Laune liefen Stefan Büschges und sein Lauffreund Siegfried Hierl aus Amberg über Sertig Dörfli zum Sertigpass auf 2739HM. Langsam fing es an zu schneien und der Weg führte weiter zur Keschhütte auf 2630HM. Dort wurde eine kurze Verpflegungspause eingelegt und dann ging es weiter, auf wunderschönen Pfaden hinunter nach Bergün, wo die ersten 34km geschafft waren. Von Bergün aus ging es dann über zum Teil extrem matschige und aufgeweichte Almwiesen zum Albulapass auf 2312HM. Aufgrund der, wegen schlechten Wetters angekündigten Streckenänderung wurde jetzt ein Umweg nach Samedan gelaufen. Um 23:30 Uhr, und bisher ca. 60km in den Beinen wurde Samedan erreicht, um dort die erste längere Pause einzulegen. Dies sollte sich später als großer Fehler herausstellen. Gegen 2:50 Uhr begaben sich die beiden Läufer wieder auf die Strecke und mussten bei -4°C und mit Stirnlampe gleich zwei Gipfel, den Muottas Muragl mit 2454 HM und der Chamanna Segantini mit 2731HM überschreiten. Fehlende Verpflegung an der Strecke, die zu lange Pause die die Muskulatur negativ beeinflusste und die entstehende Schienbeinentzündung bei Stefans Lauffreund ließen das Rennen langsam zu einer Qual werden. Die eigenen Energieriegel und das kalte Isogetränk, das durch die niedrigen Außentemperaturen fast nicht mehr zu trinken war, reichten nicht mehr aus um die nötige Energie für die extreme Belastung bereit zu stellen. Beim steilen Abstieg nach Pontresina wurden die Schmerzen von Siegfrieds Schienbeinentzündung noch schlimmer und die nächste Verpflegungsstation in Pontresina nach mittlerweile 80 gelaufenen Kilometern, wurde ausgiebig genutzt. Leider war das Angebot mit ein paar Bananen, einem trockenen Kuchen, Kaffee und einer Bouillon, nicht sehr ergiebig und etwas frustriert wurden die nächsten Kilometer in Angriff genommen. Viel Regen und niedrige Temperaturen machten das Rennen jetzt zusätzlich schwierig. Bei den nächsten 8 Kilometern, die durch sehr leicht zu laufendes  Gelände ging, die beiden aber nur langsam von der Stelle kamen, stellten sie bald fest, dass das Kommende fast nicht zu schaffen war. Mit eisernem Willen weiter zu laufen und Schmerzen in den Beinen kam der nächste, 4 km lange Anstieg zur Fuorcla Surlej auf 2755Hm. Nach fast 3 Stunden laufen, durch steiles und schwieriges Gelände, war die Station Murtél erreicht. Völlig entkräftet und erschöpft haben die beiden entschieden hier den Wettkampf zu beenden. Es wurden genau 92,4km und 5350 Höhenmeter gelaufen. „Sie sind in der Hölle hängen geblieben!“

Von den 144 Teilnehmern kamen 63 Männer und 7 Frauen an. Es war ein außergewöhnlich extremes und anstrengendes Rennen, aber sie haben trotzdem jeden Kilometer genossen und es wird sie nicht daran hindern es nächstes Jahr wieder zu versuchen.

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